Inselbuch: Ozelot und Friesennerz – Roman einer Sylter Kindheit

Inselbuch: Ozelot und Friesennerz – Roman einer Sylter Kindheit

„Wie alle Sylter bin ich in der ‚Nordseeklinik‘ bei auflaufendem Wasser auf die Welt gekommen. Direkt hinter der Düne. Auf Sylt kommen die Kinder immer mit der Flut. Setzten die Wehen ein, überprüfte die Hebamme erst einmal den Gezeitenkalender. Lief das Wasser ab, hatten alle noch eine Menge Zeit. Ob das jetzt genauso ist, wenn man auf dem Festland geboren wird, weiß ich gar nicht. Die Babys kommen ja jetzt aus Flensburg. Ob die auch mit der Flut rausgespült werden? Haben Säuglinge, die an der vergleichsweisen zivilisierten Ostsee zur Welt kommen, denselben Respekt vor der Unberechenbarkeit des Meeres wie wir? Spüren sie die Gefahr des lauernden Untergangs? Gehören sie noch zu unserer Schicksalsgemeinschaft?"

Inselrezept: Wellems Grünkohl zum Biikebrennen

Inselrezept: Wellems Grünkohl zum Biikebrennen

In ihrer rauen Schönheit hält meine Heimatinsel Amrum im Winter ihren Atem an. Trotzt unbeeindruckt den tosenden Winterstürmen und wartet geduldig darauf, Ende Februar von knisternden Flammen wieder aus ihrem Winterschlaf geweckt zu werden. Denn während der Rest der Republik im Februar mit verrückten Kostümierungen, Büttenreden und Karpfen auf dem Kopf steht, werden auf den nordfriesischen Inseln stillschweigend riesige Berge von alten Weihnachtsbäumen und Gartenabfällen aufgeschichtet und feierlich beim Biikebrennen am 21. Februar verbrannt.

Zwischen Meeres- und Waldrauschen

Zwischen Meeres- und Waldrauschen

Meine Erzählung über Wälder fängt mit der waldlosesten Zeit meines Lebens an. Einige Jahre lang wohnten meine Familie und ich mitten in den Dünen auf Sylt. In Hörnum Nord gab es weit und breit keine Bäume. Nur ein paar zähe Sträucher, vom Westwind verbogene Moorbirken und zwei struppige Tannenbäume, die wir nach unseren Weihnachtsfesten hoffnungsvoll in den sandigen Boden vor unserem Haus pflanzten. Für ein wenig Grün in der eintönigen Sylter Dünenlandschaft.